Ist der Rücken kaputt, wenn er wehtut? Was du selbst beeinflussen kannst

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Zwei Menschen, derselbe Befund auf dem Bild, aber nur einer hat Schmerzen: Wie kann das sein? Wir schauen auf eine große Übersichtsarbeit zu Menschen ohne Rückenschmerzen, erklären, warum Schmerz eher Schutzsignal als sicherer Schadensmelder ist, und zeigen, was du trotzdem selbst tun kannst.

Intro: Schmerz neu denken. Ein Podcast für Menschen, die ihre Schmerzen verstehen möchten. Produziert mit KI.

Falko Berger: Diese Folge ist für dich, wenn du Rückenschmerzen hast, die immer wiederkommen oder einfach nicht weggehen. Sie ist auch für dich, wenn du verstehen möchtest, was da passiert und was du selbst beeinflussen kannst. Wir sprechen heute über eine Vorstellung, die fast jeder kennt und die vielen Betroffenen mehr Angst macht, als sie ihnen nützt: Wenn der Rücken wehtut, muss in der Wirbelsäule etwas kaputt sein.

Falko Berger: Wir verstehen, woher dieser Gedanke kommt. Schmerz fühlt sich nach Schaden an. Dazu kommen Worte aus Diagnosen und Bildbefunden, etwa Bandscheibenvorwölbung oder Verschleiß. Dann liegt der Schluss nahe: Das ist die Ursache, und solange sie nicht repariert ist, bleibt der Schmerz. Unsere Beobachtung ist, dass viele Betroffene genau das gelernt haben, nämlich dass es meist eine einzige zugrunde liegende Ursache gibt, vor allem einen Struktur- oder Gewebeschaden. Die Suche nach dieser einen Ursache und der einen Lösung bleibt oft ohne Erfolg und hinterlässt Frust. Das ist unsere Erfahrung aus der Arbeit mit Betroffenen, keine Studienaussage.

Falko Berger: Bevor wir tiefer einsteigen, zuerst die Sicherheit. Es gibt Warnzeichen, bei denen du nicht abwarten, sondern ärztliche Hilfe holen solltest. Eine ärztliche Praxis nennt in ihrer Patienteninformation zum Hexenschuss: Wenn zu den Rückenschmerzen Lähmungen, Taubheit in den Beinen oder Störungen beim Wasserlassen und Stuhlgang kommen, geht es sofort zum Arzt oder in die Notaufnahme. Diese Liste ist nicht vollständig. Auch Taubheit im Genitalbereich gehört zu den Warnzeichen. Reiner Schmerz ohne solche Zeichen ist in der Regel kein Notfallzeichen, auch wenn er sich bedrohlich anfühlt. Und wenn du unsicher bist, lass es lieber einmal zu viel abklären. Dieser Podcast ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Behandlung.

Falko Berger: Zurück zur Frage: Ist mein Rücken kaputt, wenn er wehtut? Hier hilft ein Blick auf Menschen, die gar keine Rückenschmerzen haben. Ein Forschungsteam um Brinjikji hat 2015 in einer systematischen Übersichtsarbeit 33 Studien mit insgesamt 3110 Menschen ohne Rückenschmerzen ausgewertet. Es ging um Bildgebung der Lendenwirbelsäule, also MRT und CT. Das Ergebnis: Bandscheibendegeneration fand sich bei 37 Prozent der 20-Jährigen ohne Rückenschmerzen und bei 96 Prozent der 80-Jährigen ohne Rückenschmerzen. Auch Bandscheibenvorwölbungen waren häufig und nahmen mit dem Alter zu.

Falko Berger: Die Autoren folgern daraus, dass viele solcher Veränderungen vermutlich zum normalen Älterwerden gehören und nichts mit Schmerz zu tun haben. Sie betonen, dass Bildbefunde immer im Zusammenhang mit dem Zustand der Person gedeutet werden müssen. Diese Aussage gilt für Menschen ohne Rückenschmerzen in der Vorgeschichte und für Befunde der Lendenwirbelsäule. Bei Warnzeichen ist die Lage eine andere. Dann gehört Bildgebung ärztlich eingeordnet.

Falko Berger: Stell dir als Beispiel zwei Menschen vor, die denselben Bildbefund haben. Die eine hat starke Schmerzen, der andere spürt nichts. Das ist ein erdachtes Beispiel, aber es passt zu dem, was diese Forschung zeigt. Der Befund allein entscheidet nicht darüber, ob es wehtut. Schmerz ist deshalb kein verlässlicher Schadensmelder. Er ist eher ein Schutzsignal. Dein Körper meldet damit, dass er etwas als bedrohlich einschätzt, und das muss nicht heißen, dass etwas kaputtgegangen ist.

Falko Berger: Heißt das, Struktur spielt keine Rolle? Nein, so einfach ist es auch nicht. Körperliche Faktoren können mitwirken. Aber sie erklären Schmerz selten allein. Die Lancet-Serie zu Rückenschmerz, eine große internationale Übersichtsarbeit von 2018, beschreibt Rückenschmerz als komplexen Zustand mit mehreren Beiträgen. Genannt werden psychische Faktoren, soziale Faktoren, biophysikalische Faktoren, Begleiterkrankungen und Mechanismen der Schmerzverarbeitung. Außerdem steht dort, dass sich für die große Mehrheit der Betroffenen die genaue schmerzauslösende Struktur derzeit nicht zuverlässig bestimmen lässt. Die Mehrheit heißt nicht alle. Besondere Ursachen wie ein Knochenbruch oder eine Infektion bleiben davon ausgenommen und gehören ärztlich abgeklärt.

Falko Berger: Das ist ein wichtiger Gedanke, wenn du bisher nach dem einen kaputten Teil gesucht hast. Wenn sich die eine Struktur bei den meisten Betroffenen nicht sicher bestimmen lässt, ist die Suche danach oft eine Sackgasse. Das heißt nicht, dass dein Schmerz eingebildet ist. Er ist real. Er hat nur meistens mehr als eine Ursache.

Falko Berger: Die Lancet-Autoren sagen noch etwas, das Mut machen kann. Die meisten Episoden von Rückenschmerz dauern kurz und haben wenig oder keine Folgen. Wiederkehrende Episoden sind aber häufig. Rückenschmerz wird zunehmend als langanhaltender Zustand mit wechselndem Verlauf verstanden und nicht als Abfolge unabhängiger Ereignisse. Wechselnd heißt: Es gibt bessere und schlechtere Phasen.

Falko Berger: Was könnte hier eine Rolle spielen? Die Lancet-Autoren nennen Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Übergewicht und wenig körperliche Aktivität. Sie hängen mit schlechterer allgemeiner Gesundheit zusammen und werden auch mit dem Auftreten von Rückenschmerzepisoden in Verbindung gebracht. Das ist ein Zusammenhang und kein Beweis, dass du mit einer einzigen Änderung den Schmerz abstellst. In der Patienteninformation der Praxis zum Hexenschuss heißt es außerdem, dass psychosozialer Stress und Schlafmangel die Schmerzschwelle senken und das Auftreten begünstigen können. Es lohnt sich also, nicht nur auf den Rücken zu schauen, sondern auch auf Schlaf, Stress und Bewegung.

Falko Berger: Wir benutzen dafür gern ein Bild. Stell dir vor, dein Schmerz ist ein Klang. Im Hintergrund steht ein Mischpult mit vielen Reglern. Jeder Regler steht für einen Einflussfaktor. Du suchst nicht den einen Schalter, der alles aus macht. Du schaust, welche Regler sich bei dir verstellen lassen. Das ist nur ein Bild, kein Messgerät. Es soll zeigen, warum es bei Schmerz selten die eine Lösung gibt und warum es trotzdem viele Möglichkeiten gibt.

Falko Berger: Jetzt zur Angst. Wer glaubt, der Rücken sei kaputt, bewegt sich oft vorsichtiger. Man hebt weniger, geht weniger spazieren und hört bei jedem Ziehen auf. Das ist verständlich. Wir sehen aber das Risiko, dass man damit genau die Dinge meidet, die helfen können, nämlich Bewegung und Alltag. Das ist unsere Einordnung, keine Studienaussage. Wir wollen niemanden zu etwas drängen, das sich falsch anfühlt. Aber wir ermutigen dich, die Annahme zu prüfen, dass jeder Schmerz einen Schaden anzeigt.

Falko Berger: Was kannst du daraus mitnehmen? Wir empfehlen dir vier Dinge. Erstens: Lass Warnzeichen ärztlich abklären, und zwar sofort, wenn sie auftreten. Zweitens: Wenn du einen Bildbefund hast, frag nach, was er für deine Beschwerden wirklich bedeutet. Schreib dir die Fragen vorher auf, zum Beispiel: Ist dieser Befund bei Menschen meines Alters häufig? Was heißt er für meine Bewegung im Alltag? Drittens: Hör auf, nach dem einen Fehler in deinem Rücken zu suchen. Schau stattdessen auf das ganze Bild, also auf Schlaf, Stress, Bewegung und deinen Alltag. Viertens: Wähle kleine Schritte, die du wirklich durchhalten kannst.

Falko Berger: Letzteres ist wichtig. Verhalten zu ändern kostet zunächst Energie und fühlt sich oft wie ein Berg an. Setz dir deshalb Ziele, die zu deinem Leben passen. Ein kleiner Schritt, den du wiederholst, ist mehr wert als ein großer Plan, den du nach drei Tagen aufgibst. Und sei vorsichtig bei Versprechen von schnellen Lösungen, von der Wundersalbe bis zur einen Übung. Bei einem Problem mit vielen Einflüssen ist eine einzige schnelle Lösung selten zu erwarten. Echte Veränderung braucht meistens Zeit.

Falko Berger: Wenn du lange Beschwerden hast, such dir außerdem jemanden, der dich begleitet, gut berät und dich ernst nimmt. Das kann eine Ärztin, ein Physiotherapeut oder eine andere qualifizierte Person sein. Dieser Podcast soll dir helfen, Zusammenhänge zu verstehen, um bessere Fragen zu stellen und informierter zu entscheiden.

Falko Berger: Die Antwort auf die Frage von vorhin lautet also: Wenn dein Rücken wehtut, heißt das nicht automatisch, dass er kaputt ist. Struktur kann mitspielen, aber sie ist selten die ganze Geschichte, und meist lässt sie sich im Einzelfall nicht sicher bestimmen. Weil viele Faktoren deinen Schmerz beeinflussen, gibt es auch viele Dinge, die du tun kannst. Das ist kein Versprechen, dass der Schmerz verschwindet. Es ist aber ein guter Grund, nicht aus Angst stehen zu bleiben, sondern mit mehr Wissen neue Wege auszuprobieren.

Outro: Das war Schmerz neu denken. Ein Podcast von Falko Berger, Michael Solzbacher und Malte Herberhold. Produziert mit KI.